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Wirtschaft ohne Sinn betrügt.

Zwischen Verantwortung, Macht und der Leere vom reinen Profit
28. Oktober 2025 durch
Chocopolitico
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Wirtschaft ohne Sinn betrügt.

Zwischen Verantwortung, Macht und der Leere von Profit

Ich saß in einem Konferenzraum. Coole Aussicht aber mit der Frage: Was mache ich hier und wofür?

Und es geht ja eigentlich immer über Zahlen, Märkte, Wachstum.

In meiner ganzen Karriere haben wir nicht ein Wort über Sinn verloren.

Und der Gedanke kam nicht plötzlich, aber er war aus meinem Kopf nicht mehr herauszubekommen. "Wachstum ohne Sinn ist Diebstahl."

Nicht gegen andere, sonder gegen mich / uns selbst.

I. Der Wandel der Sinnsuche

In den letzten Jahrzehnten wurde „Profit“ zum Synonym für „Erfolg“.

Das, was früher als Mittel galt, wurde zum Zweck.

Milton Friedman schrieb 1970: „The social responsibility of business is to increase its profits …“¹

Gewinnmaximierung als moralisches Recht. Doch ist Profit ohne Zweck mehr als ein leeres Versprechen?

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass obwohl Gewinne steigen, das Wohl vieler Menschen nicht entsprechend wächst.²

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Corporate Profits boomen. (Das sagen die natürlich immer anders), aber gute Jobs, stabile Perspektiven und Sinn bleiben Mangelware.

Für mich war klar, wenn Wirtschaft keine Sinnspur hinterlässt, dann betrügt sie.

Natürlich nicht nach dem  Gesetz aber moralisch auf jeden Fall.

II. Verantwortung ein vermintes Feld

Verantwortung wird oft als Zusatz verkauft: CSR, Ethikprogramme, Nachhaltigkeitsberichte.

Doch wie viel davon ist Substanz? Und wie viel Inszenierung?

In der Forschung heißt es, dass viele Unternehmen CSR-Initiativen nutzen, um Image zu polieren – ohne fundamentale Geschäftsmodelle zu verändern.³ 

Wenn Verantwortung nur Makulatur ist, sieht man am Ende nur die übertünchten Risse.

Denn Macht bleibt ja oft dort, wo Verantwortung fehlt.

Verantwortung ist jedoch nicht nur Risiken erkennen sondern auch Konsequenzen tragen.

In Organisationen zeigt sich häufig: Verantwortung wird delegiert, Schuld verteilt, Moral ausgegliedert.

Zygmunt Bauman sprach von der „flüchtigen Moderne“, in der Bindung vermieden wird und Verantwortung keine Dauer kennt.⁴

Wenn Verantwortung nicht mehr Teil des Systems ist, wird Profit bedeutungslos.

III. Macht die unsichtbare Währung

Macht ist schon lange mehr als Regierungsgewalt oder militärische Stärke.

In wirtschaftlichen Systemen ist Macht verteilt, Zwischen Vorstand, Markt, Kapitalgebern, Konsumenten.

Und dort wo Sinn ausbleibt, übernimmt Macht das Terrain.

Sie diktiert Regeln, sie formt Narrative, sie definiert Profit als einzige Metrik.

Der Ökonom Joseph Stiglitz warnt vor den Folgen eines Systems, in dem Marktmechanismen „unendliches Wachstum“ versprechen bei endlichen Ressourcen.⁵

Wenn Profit zur Norm wird, wird Macht zum Erfüllungsgehilfen.

Und Entscheidungen ohne Sinn beugen sich dem Tyrannei der Zahlen.

Wir sehen es täglich: Short-Term-Denken, Share-Buybacks, Renommier­übernahmen.

Kein Wunder: Denn Macht in Form von Kapital folgt nur dem einen Altarfokus: Rendite.

Wenn Rendite das Einzige ist was bleibt, verliert Wirtschaft ihren Sinn.

IV. Profit Zweck statt Mittel

Profit war einmal Mittel. Heute ist er Zweck von Unternehmen, Märkten, Menschen.

Profit an sich ist ja nicht böse. Er ist (nur) eine Währung.

Das Problem beginnt  jedoch dort, wo das „Warum“ fehlt.

Ein Papier spricht davon: „Profits without prosperity“.⁶

Obwohl Gewinne da sind, bleibt Wohlstand aus.

Das zeigt: Profit ist leer und bedeutungslos, wenn er nicht Teil eines Ganzen ist.

Die Theorien des Profits diskutieren ja seit Langem, was er eigentlich ist. Risiko, Unternehmerleistung, oder einfach nur Überschuss.⁷

Doch selten klingt darin der Sinn an.

In der Praxis heißt das oft, wenn ich profitiere wen betrüge ich dann?

Wenn mein Erfolg auf dem Untergehen anderer gründet dann ist mein Gewinn doch irgendwie schal. Auch wenn ich mir davon die nächste Yacht oder das nächste Pferd kaufen kann..

Ein aktueller Forschungsbeitrag zeigt: Firmen mit hoher CSR-Leistung weisen weniger Profit-Shifting auf.⁸, weil dort der Gewinn nicht als Zweck, sondern als Teil einer Verantwortungskultur verstanden wird.

Profit mit Sinn möglich. Aber selten.

V. Das Vakuum zwischen Verantwortung und Profit

Wenn Verantwortung nicht erlebt wird und Profit nicht verweilt, entsteht ein Vakuum.

Etwas leeres, etwas ohne Wesen.

Und in dann wächst Betrug. Nicht zwingend per krimineller Aktion, sondern per System:

nachhaltige Arbeitsmodelle werden geopfert

Ressourcen ausgebeutet

Kulturen instrumentalisiert

Sinn verkauft als Marke

Wissenschaftler nennen das „embedded unethicality“, wenn Geschäftsmodelle so strukturiert sind, dass sie unsichtbar moralisch bankrott sind.⁹

Wirtschaft ohne Sinn betrügt nicht nur andere, sie betrügt sich selbst. Und wir sind Teil dieser Dynamik ob wir wollen oder nicht.

Sinnlosigkeit wirkt ja nicht erst im Vorstand. Sie beginnt im Einkauf, im Produkt, im Kundenkontakt.

VI. Ein persönlicher Blick

Viele Freunde und alte Weggefährten haben alles. Titel, Performance, Bonus.

 Doch sehr oft auch leere Gesichter. 

Wenn ich den Einen oder Anderen frage: „Warum tust du das?“, sagte er oder auch sie. „Weil ich angewiesen oder gefragt wurde.“

Bisher habe ich noch nicht gehört: „Weil ich glaube.“

Ich sehe in ihrem Blick oft nicht Energie. Sondern Erschöpfung. Als Resultat des eigenen Erfolgsmodells.

Sie gewinnen nicht mehr, sie machen nur noch mit.

Ich denke an meine Enkelin. Sie spielt im Sandkasten Kaufman.  Und wenn sie mich anschaut und sagt: „Opi, bist du da?“

Dann wird mir Sonnenklar. Für sie zählt nicht, wie viel Gewinn ich gemacht habe, wieviel Geld ich zur Seite gelegt habe.  Sondern ob ich echt bin. .


VII. Verantwortung als Weg nicht als Option

Verantwortung als Verpackung ist reine Resourcenverschwendung.

Verantwortung muss Gestalten. Und zwar im Sinne von: 

Geschäftsmodelle hinterfragen

Machtstrukturen durchbrechen

Sinn in jeder Entscheidung mitdenken (Also weiter denken als Performance        u ​und ROI)

Der Ökonom I. Negru spricht davon, dass in der Wirtschaft ein neues Bewusstsein für Verantwortung entstehen muss – nicht als Zusatz, sondern als Grundprinzip.¹⁰ 

Wenn Verantwortung Grundwert ist – wird Profit Mittel.

Und Macht transparent.

VIII. Macht neu denken: Von Dominanz zu Gestaltung

Macht darf nicht Herrschaft sein.

Sondern Gestaltungskraft.

Stell dir eine Wirtschaft vor, in der Macht nicht dazu dient, Gewinnmaximierung zu erzwingen.

Sondern Räume eröffnet, in denen Sinn entsteht.

Das heißt nicht Utopie.

Sondern andere Prioritäten.

Unternehmen, die nicht nur gefragt werden, ob sie nachhaltig sind – sondern wie sie nachhaltig wirken.

Gemeinschaft statt Konsument.

Bindung statt Transaktion.

IX. Profit mit Rückgrat

Profit kann Integrität haben.

Wenn er aus Sinn kommt.

Wenn er Verantwortung trägt.

Wenn Macht bewusst eingesetzt wird.

Wir brauchen wirtschaftliche Konzepte, in denen Profit nicht Flucht – sondern Ergebnis von Sinn ist.

Wir brauchen aber keine Gutenmacher-Mythen.

Sondern reale Handlungen.

Echtes Risiko.

Auch im Geschäftsmodell.

Denn kein Markt, kein Börsenindex, keine Bilanz kann ersetzen, was eine glaubwürdige Wirtschaft hinterlässt: Menschen, die sagen: „Ich war Teil von etwas Sinnvollem.“

X. Fazit  Wirtschaft, die bleibt

Wirtschaft ohne Sinn betrügt.

Nicht laut. Leise. Im Alltag.

Im Kaufvertrag. Im Bonus.Im Schweigen.

Verantwortung, Macht und Profit, sie sind keine Gegensätze, sondern Wegstrecken.

Wenn wir sie verbinden, entsteht etwas Bleibendes. Wenn nicht entsteht Leere.

Ich entscheide mich dafür.

Ich nehme Verantwortung.

Ich schaue auf Macht.

Ich messe Profit neu.

Denn am Ende bleibt nichts, was du nicht mit Sinn gemacht hast, und keine Wirtschaft, die du nicht mit Menschlichkeit angegangen bist.

#FlameP 🔥 #ChocoPolitico #CeterumCenseoAfDesseRepudiandam

Fußnoten

  1. Friedman, M. (1970). The Social Responsibility of Business is to Increase its Profits. The New York Times Magazine. Wikipedia+1
  2. Zand bei: “Profits without prosperity”. HBR. Harvard Business Review
  3. Ghozali u. a. (2010). Business, ethics, and profit: Are they compatible under corporate governance? ScienceDirect+1
  4. Bauman, Z. (2000). Liquid Modernity. Cambridge: Polity Press. Economics Discussion
  5. Stiglitz, J. Interview/Analyse. Financial Times
  6. vgl. Organisational Studies: Profits without prosperity. Harvard Business Review
  7. Walker – Theories of Profit. Economics Discussion
  8. Fatima & Elbanna (2024). CSR and profit-shifting study. SpringerLink
  9. Business ethics critique: embedded unethicality. PMC
  10. Negru, I. (2022). Towards a concept of responsibility for economics. Tandfonline

Literaturverzeichnis

Bauman, Z. (2000). Liquid Modernity. Cambridge: Polity Press.

Friedman, M. (1970). The Social Responsibility of Business is to Increase its Profits. The New York Times Magazine.

Ghozali, et al. (2010). “Business, ethics, and profit: Are they compatible under corporate governance?” Global Finance Journal.

Negru, I. (2022). “Towards a concept of responsibility for economics.” Critical Perspectives on International Business.

Walker, A. (2015). Top 7 Theories of Profit (With Criticisms). Economics Discussion.

Weitere Quellen siehe Fußnoten.

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