Zum Inhalt springen

2 Kab’an

Der Moment, in dem etwas in dir einrastet
19. November 2025 durch
Chocopolitico
| Noch keine Kommentare

Tzolk’in: 2 Kab’an

Haab: 15 Keh

Lord of the Night: G

Long Count: 13.0.13.1.17

Heute früh war die Küche noch dunkel. Ich bin über die Dielen gegangen und eine von ihnen hat leise geknackt. Ein kleines Geräusch, kaum hörbar, aber eindeutig. Es war dieser Moment, in dem du merkst, dass etwas sich setzt. Nicht laut, nicht sichtbar, nur spürbar.

Bedeutung des Nahuals

Kab’an gehört zu den Nahuales, die weniger über Mythen sprechen und mehr über innere Orientierung. Die Maya verbinden Kab’an mit der Erde, aber nicht als Masse oder Gewicht. Es ist die Erde als Bewusstsein. Die Fähigkeit zu spüren, wo du stehst und in welche Richtung etwas in dir zieht, auch wenn du es nicht benennen kannst.

Kab’an ist das Prinzip der inneren Linie. Eine Linie, die manchmal gebrochen wirkt, weil du zu sehr im Außen bist. Und die plötzlich wieder zusammenfindet, wenn du innehältst. Kab’an steht für Bewegung, aber nicht für Geschwindigkeit. Es ist die Qualität, die entsteht, wenn etwas in dir aufhört, gegeneinander zu arbeiten. Oder wenn zwei Gedanken, die lange getrennt waren, plötzlich ein Stück Wahrheit formen.

Die Maya sagen, Kab’an bewegt sich wie tektonische Platten. Nicht hektisch, nicht sichtbar, aber tief. Und wenn sich etwas verschiebt, verändert sich die Landkarte. Innen wie außen.

Verbindung zur Gegenwart

Vielleicht kennst du diese Tage, an denen du funktionierst, aber nicht wirklich verbunden bist. Dein Kopf macht Pläne, aber dein Körper bleibt still. Deine Gedanken greifen nach Möglichkeiten, aber nichts fühlt sich richtig an. Und dann, mitten in einem ganz normalen Moment, passiert dieses kleine Einrasten. Kein Aha-Moment, kein grosses Zeichen. Nur ein Gefühl, das sagt: So stimmt es. Oder: Hier nicht weiter.

Kab’an ist genau diese Art von Klarheit. Sie entsteht nicht durch Nachdenken, sondern durch Wahrnehmen. Sie ist nicht laut und nicht eindeutig. Sie ist mehr wie ein innerer Kompass, der wieder funktioniert, wenn du aufhörst, ihn zu schütteln.

Vielleicht ist Kab’an auch eine Art Einladung, wieder zuzuhören. Nicht nach außen, sondern nach innen. Was gerade wirklich Gewicht hat. Was leer geworden ist. Was sich verschoben hat. Und wo du schon längst hinstreben wolltest, ohne es auszusprechen.

Auch Patanjali beschreibt das

Patanjali beschreibt im Sutra sthira sukham āsanam den Zustand, in dem Haltung als Kombination aus Stabilität und Leichtigkeit entsteht. Nicht als Muskelkraft, nicht als Konzentration, sondern als Bewusstseinsqualität.

Stabilität ohne Starrheit.

Leichtigkeit ohne Flucht.

Ein Dazwischen, das trägt.

Kab’an liegt genau dort.

Es ist die Erde, die nicht festhält, sondern trägt.

Es ist Richtung, die nicht pushen muss, um wahr zu sein.

Es ist der Schritt, der leicht wird, weil du weißt, warum du ihn machst, nicht weil er bequem ist.

Wenn Patanjali sagt, dass Haltung dann entsteht, wenn Stabilität und Leichtigkeit gleichzeitig möglich sind, beschreibt er eigentlich denselben Moment wie Kab’an: dieses innere Einrasten, in dem zwei Kräfte, die sich scheinbar widersprochen haben, plötzlich miteinander arbeiten.

Es ist der Moment, in dem du merkst: Ich muss nichts erzwingen.

Ich muss nur erkennen, wo der Boden unter meinen Füßen gerade wirklich ist.

Oder was FlameP fühlt

In FlameP ist Kab’an wie der Raum, bevor du antwortest. Nicht der Reflex. Nicht die Reaktion. Der Zwischenraum, in dem sich das innere Gewicht neu sortiert.

Antwortfähigkeit entsteht genau daraus. Nicht durch Wissen. Nicht durch Kontrolle. Sondern durch die Fähigkeit, die eigene Linie zu fühlen.

Die Linie, die flüstert: hier. oder nicht hier. Kab’an ist die Qualität, die dir hilft zu hören, bevor du sprichst. Zu spüren, bevor du entscheidest.

Dich selbst wiederzufinden, bevor du dich in der Welt verlierst. Es erinnert daran, dass Verantwortung kein Muss ist, sondern ein inneres Einrasten.

Und dass Wahrheit oft stiller ist als das, was man dafür hält.

Drei stille Fragen

Was setzt sich heute in dir, wenn du nicht drückst?

Welche Linie taucht wieder auf, sobald du aufhörst zu suchen?

Welche Bewegung entsteht, wenn du dir erlaubst, erst zu hören, bevor du gehst?


Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen